Der Veranstalter hatte drei Namen auf dem Zettel. Alle drei „KI-Experten“, alle drei mit Showreel, alle drei im selben Preisbereich. Er hat mich gefragt, wie er die auseinanderhalten soll.
Gute Frage. Denn seit 2023 hat sich das Angebot an KI-Speakern vervielfacht, und die Showreels sehen alle gleich aus: Bühne, Licht, ein Satz über die Zukunft. Was du daraus nicht erkennst, ist, ob der Vortrag in deinem Saal funktioniert.
Ich stehe selbst auf der Bühne, 28 Keynotes in drei Jahren. Ich sitze aber auch im Beirat und habe bei der Commerzbank auf der anderen Seite gesessen. Deshalb hier die Liste, mit der ich selbst auswählen würde.
Sieben Fragen vor der Buchung
1. Was macht der Speaker, wenn er nicht auf der Bühne steht?
Das ist die wichtigste Frage, und sie wird fast nie gestellt. Ein Berufsredner hält 80 Vorträge im Jahr und hat dafür wenig Zeit, selbst mit KI zu arbeiten. Jemand, der KI im eigenen Unternehmen einführt, in einem Gremium über KI-Investitionen entscheidet oder selbst Software baut, bringt Beispiele mit, die diese Woche passiert sind. Frag danach, denn die Antwort sagt dir, ob du einen Erzähler oder einen Praktiker buchst.
2. Welches Beispiel aus meiner Branche kann er in zwei Sätzen erzählen?
Stell die Frage im Erstgespräch, ohne Vorwarnung. Wer Maschinenbau, Versicherung oder Handel schon auf der Bühne hatte, hat sofort eine Geschichte parat. Wer erst überlegen muss, wird auch am Abend selbst mit dem Beispiel aus dem Marketing arbeiten.
3. Was ändert er für mein Publikum?
Ein Vorstand will Entscheidungsgrundlagen, ein Firmenkunden-Abend will einen Gesprächsanlass für die Bar, ein Mitarbeiterevent will die Angst rausnehmen. Ein guter Speaker fragt vorher, wer im Saal sitzt und was danach passieren soll. Ein schlechter hat einen Vortrag für alle.
4. Gibt es ein Briefing-Gespräch, und was passiert darin?
Ein Briefing ist kein Kalenderpunkt, sondern der Moment, in dem der Vortrag entsteht. 30 Minuten, in denen du Anlass, Zielgruppe, Reizthemen und Tabus erklärst. Wenn das Briefing im Angebot fehlt oder „bei Bedarf“ heisst, bekommst du den Vortrag von der Stange.
5. Wie geht er mit Widerspruch um?
KI-Vorträge lösen fast immer Widerspruch aus: der IT-Leiter, der schon alles probiert hat. Der Betriebsrat mit der Frage nach den Arbeitsplätzen. Frag den Speaker, was er macht, wenn jemand aus dem Publikum ihm widerspricht. Wer da ausweicht, weicht auch auf der Bühne aus.
6. Was steht im Angebot, und wie schnell kommt es?
Vortrag, Dauer, Briefing, Anpassung, Anreise, Q&A, Aufzeichnung, dazu eine Frist. Was in einem sauberen Angebot steht und was Keynotes in Deutschland kosten, habe ich in Was kostet ein Keynote Speaker? aufgeschrieben. Wer für das Angebot länger als ein paar Tage braucht, wird auch beim Vortrag nicht auf den Punkt kommen.
7. Wer hat ihn schon gebucht, und was sagen die?
Logos sind einfach, Zitate mit Namen sind schwerer. „Eine der wenigen KI-Keynotes, die wirklich etwas auslösen“, sagt Sven Lindig von LINDIG Fördertechnik in Eisenach über meinen Vortrag, und das kannst du nachprüfen. „Grossartiger Speaker, sehr inspirierend“ kannst du nicht nachprüfen, und es steht auf jeder zweiten Website.
Vier Warnsignale im Erstgespräch
Das erste Warnsignal ist der Vortrag, der schon fertig ist, bevor du erklärt hast, wer im Saal sitzt. Das zweite sind Folien mit Jahreszahl. Ich habe im Frühjahr 2026 einen Vortrag gesehen, in dem ChatGPT noch nicht rechnen konnte. Das war 2022 richtig, 2026 ist es ein Warnsignal. Das dritte ist ein Speaker, der nur über Tools redet, Modelle, Versionen, Features. Dein Publikum will wissen, was es am Montag anders macht. Das vierte ist die Aussage „das passt für jede Branche“. Nichts passt für jede Branche.
Wo du suchst
Es gibt vier Wege, und jeder hat einen Haken. Agenturen wie 5 Sterne Redner oder Speakers Excellence haben grosse Listen, kennen die Speaker aber oft nur vom Profil. Direktanfrage ist am schnellsten, setzt aber voraus, dass du schon einen Namen hast. Empfehlung aus dem Netzwerk ist am zuverlässigsten und am seltensten. Und Vergleichslisten helfen beim Einstieg: für den DACH-Raum habe ich 15 KI-Keynote-Speaker nebeneinandergestellt, meinen eigenen Namen eingeschlossen, damit du siehst, wer wofür steht.
Vorlauf und Ablauf
Für Firmenkunden-Abende, Vorstandsklausuren und Jahrestagungen sind drei bis sechs Monate Vorlauf ideal. Der Speaker braucht die Zeit nicht. Zielgruppe, Kernbotschaft und die Einbettung ins Programm brauchen sie. Kurzfristiger geht nach Verfügbarkeit.
Der Ablauf, wenn es gut läuft: ein kurzes Kennenlerngespräch zu Anlass und Publikum, ein Angebot innerhalb weniger Tage, ein Briefing vier bis sechs Wochen vor dem Termin, ein Technik-Check am Vortag, und nach dem Event eine kurze Nachbesprechung. Was ein Speaker für die Bühne braucht, steht in seinem Rider, und der gehört ins Speaker Kit. In meinem Speaker Kit findest du Vita, Keynote-Referenzen, Fotos, einen fertigen Moderationstext und genau diesen Rider. Wenn ein Speaker so etwas nicht hat, macht ihr die Abstimmung drei Wochen lang per Mail.
Der Braune-M&M-Test
Van Halen hatte in den Achtzigern eine Klausel im Tourvertrag, über die sich alle lustig gemacht haben: eine Schale M&M’s in der Garderobe, ohne braune. Das klang nach Diva und war eine Prüfung. Die Band schleppte für damalige Verhältnisse gewaltige Technik in Hallen, die dafür nie gebaut worden waren, und im Vertrag standen seitenweise Angaben zu Traglast, Strom und Bühnenaufbau. Fand jemand braune M&M’s in der Schale, war klar, dass der Veranstalter den Rider nicht gründlich gelesen hatte, und dann wurde der ganze Bühnenaufbau noch einmal durchgegangen. Die ganze Geschichte habe ich hier aufgeschrieben.
Bei der Auswahl eines Speakers sitzt du auf der anderen Seite dieses Vertrags, und du brauchst deinen eigenen braunen M&M. Eine Kleinigkeit, an der du in drei Sekunden siehst, ob der Rest mit derselben Sorgfalt behandelt wird.
Meiner ist die Rückfrage nach dem Publikum. Wenn im Erstgespräch niemand von sich aus fragt, wer im Saal sitzt und was nach dem Vortrag passieren soll, dann ist der Vortrag längst geschrieben und deine Veranstaltung nur der Ort, an dem er gehalten wird. Die anderen sechs Fragen kannst du dir dann sparen.
Bleibt am Ende trotzdem ein Zweifel, hilft der zweite Test: Ruf an und bitte um ein Beispiel aus deiner Branche, zwei Sätze, ohne Vorbereitung. Was dann kommt, ist der Vortrag, den du bekommst.
Häufig gestellte Fragen
Über Agenturen, Direktanfrage, Empfehlung oder Vergleichslisten. Der Hebel ist das Erstgespräch: Frag nach einem Beispiel aus deiner Branche, nach dem Briefing und danach, was der Speaker macht, wenn er nicht auf der Bühne steht.
Drei bis sechs Monate sind ideal für Vorstandsklausuren, Firmenkunden-Abende und Jahrestagungen. Kurzfristigere Buchungen sind nach Verfügbarkeit möglich.
Fertiger Vortrag vor dem Briefing, veraltete Folien, reines Tool-Gerede statt Entscheidungen, und der Satz „das passt für jede Branche“.
Vita, Keynote-Referenzen, Pressefotos in Druckauflösung, ein fertiger Moderationstext und der technische Rider. Wenn ein Speaker das nicht bereithält, läuft die Abstimmung wochenlang über Mail, und am Veranstaltungstag fehlt trotzdem ein Kabel.
Wenn die Checkliste durch ist und ich noch auf der Liste stehe: Die buchbaren Vorträge und Formate stehen auf der Keynote-Seite, die Einordnung der Preise im Überblick zu Keynote-Honoraren 2026.






