Was 40 Jahre Technikgeschichte über die Einführung von KI lehren

Was 40 Jahre Technik über KI verraten. Vom C64 bis zur VR-Brille: Warum jede Einführung demselben Muster folgt.

„Papa, wir wollen die Elefanten sehen.“ Wenn meine Kinder das sagen, meinen sie die VR-Brille und eine Savanne, die es in unserem Wohnzimmer nur gibt, solange der Akku hält.

Für sie ist das keine Technik. Es ist ein Ort. Genau diese Selbstverständlichkeit ist der Massstab, an dem jede neue Technologie im Unternehmen scheitert oder ankommt, und sie hat sich in vierzig Jahren nicht verändert.

1984: Warum das Einfache länger hält als das Beeindruckende

Ein Rennspiel von 1984 hatte ein paar Pixel, einen Ton und eine einzige Idee. Trotzdem sitzen erwachsene Menschen heute wieder davor. Der Grund liegt nur zum Teil in der Erinnerung an die eigene Jugend. Der grössere Teil ist, dass diese Spiele mit sehr wenig sehr viel erreicht haben.

Übertragen auf heute: Die meisten KI-Vorhaben scheitern an zu viel Funktionsumfang und nicht an zu wenig. Ein Werkzeug, das eine Aufgabe zuverlässig erledigt, wird benutzt. Eine Plattform, die alles kann und nichts richtig, landet nach acht Wochen im Ordner mit den guten Vorsätzen.

2007: Der Moment, in dem Hightech für alle zugänglich wurde

Beim iPhone war das Erstaunliche nie die Technik im Gehäuse. Telefonieren, surfen, Musik hören, fotografieren, all das gab es vorher schon, nur eben verteilt auf Geräte, die niemand freiwillig gleichzeitig mit sich herumtrug. Neu war, dass man dafür nichts mehr lernen musste.

KI steht heute an derselben Stelle. Die Einstiegshürde ist gefallen, und deshalb hängt der Vorsprung inzwischen daran, wer im Unternehmen die richtigen Fragen stellt. Das verschiebt Macht, und zwar weg von der Abteilung, die bisher die Werkzeuge verwaltet hat, hin zu den Leuten, die das Geschäft kennen.

Hello und Get Ready: Wiederholung schlägt Kreativität

2007 stand auf dem Bild ein Wort: Hello. 2024 stand auf dem Bild der Vision Pro: Get Ready. Dieselbe Schrift, derselbe Hintergrund, dasselbe Versprechen, dass hier etwas beginnt.

Dazwischen liegen 17 Jahre, mehrere Produktkategorien und ein kompletter Wechsel an der Spitze. Dass man beide Motive sofort derselben Erzählung zuordnet, ist keine Designlaune, das ist eine Entscheidung, die jemand über Jahre gegen jeden internen Wunsch nach Abwechslung verteidigt hat.

Die meisten Marken wechseln ihren Auftritt, sobald er ihnen selbst langweilig wird. Wiedererkennung braucht aber Zeit, und Zeit verträgt keine Neuerfindung im Jahresrhythmus. Dafür braucht niemand ein Apple-Budget, sondern eine Schrift, eine Farbe, ein Bildmotiv, einen Tonfall und die Disziplin, das drei Jahre nicht anzufassen.

Grace Hopper und der Mut, keine Referenz zu haben

Grace Hopper, geboren 1906, programmierte einen der ersten Computer. Auf die Frage, woher sie so viel über Computer wisse, antwortete sie: „Ich wusste es nicht. Es war der erste.“

Sie arbeitete am Harvard Mark I, gehörte zu den Vordenkerinnen dafür, dass Programme in verständlicher Sprache statt in Maschinencode geschrieben werden, prägte damit die Entwicklung von COBOL und brachte es bis zum Rear Admiral der US Navy. Der Begriff Debugging wird ihr zugeschrieben, nachdem in einem Rechner tatsächlich eine Motte klemmte.

Der spannende Teil ist für mich nicht die Technik, sondern die Haltung. In Unternehmen erlebe ich meistens das Gegenteil: Es wird gewartet, bis jemand anders bewiesen hat, dass etwas funktioniert. Wer Vorsprung will, muss Menschen erlauben, an Dingen zu arbeiten, für die sie noch keine Referenz vorlegen können.

Der Hammerschlag: Wofür man Erfahrung eigentlich bezahlt

Es gibt ein Video, in dem der Schlagzeuger der Red Hot Chili Peppers zu einem Song improvisiert, den er vorher nie gehört hat. Die Leichtigkeit dabei ist das Ergebnis von Jahrzehnten Übung, nicht von Talent an diesem Nachmittag.

In Unternehmen läuft dieselbe Rechnung, nur mit mehr Diskussion. Wenn jemand ein Problem in zwanzig Minuten löst, an dem das Team seit sechs Wochen sitzt, bezahlt man nicht die zwanzig Minuten. Man bezahlt die Jahre, in denen dieser Mensch gelernt hat, wo er hinschauen muss.

Das Kochbuch: Wie du KI erklärst, ohne zu überfordern

Meinen Kindern erkläre ich Algorithmen mit dem Kochbuch. Du hast Zutaten, du hast eine Reihenfolge, und wenn du dich an beides hältst, kommt am Ende dasselbe Gericht heraus. Brennt der Kuchen an, fängst du von vorne an und schaust, an welcher Stelle es schiefgelaufen ist.

Das ist stark vereinfacht und funktioniert in Vorständen genauso gut wie am Küchentisch. Wer eine Technologie nicht in einem Satz erklären kann, wird sie im eigenen Haus nicht durchsetzen, egal wie gut das Werkzeug ist.

Sechs Lektionen, ein Muster

Vier Jahrzehnte Technikgeschichte erzählen immer dieselbe Geschichte. Die Technologie setzt sich dort durch, wo sie einfach genug ist, um benutzt zu werden, wo jemand lange genug bei einer Linie bleibt, und wo Menschen arbeiten dürfen, ohne vorher eine Erlaubnis in Form einer fremden Fallstudie vorzulegen.

Wenn du wissen willst, wo dein Unternehmen dabei gerade steht, hilft der KI-Check. Und wenn du diese Geschichten lieber im Saal hörst, findest du die aktuellen Themen unter Keynotes.

Häufig gestellte Fragen

Was hat das iPhone von 2007 mit KI zu tun?

Beide Technologien haben die Einstiegshürde gesenkt. Beim iPhone musste man nichts mehr lernen, um mehrere Geräte in einem zu nutzen. Bei KI muss man nicht mehr programmieren können, um mit einem Modell zu arbeiten. In beiden Fällen verschiebt sich der Vorteil von der Technik zur Frage, wer sie klug einsetzt.

Warum scheitern KI-Werkzeuge trotz guter Technik im Alltag?

Meistens, weil sie zu viel auf einmal wollen. Werkzeuge, die eine klar umrissene Aufgabe zuverlässig erledigen, werden benutzt. Plattformen, die alles abdecken sollen, verlieren nach wenigen Wochen ihre Nutzer.

Wie erkläre ich KI Menschen ohne technisches Vorwissen?

Mit einem Bild aus deren Alltag. Ein Algorithmus ist ein Rezept: Zutaten, Reihenfolge, Ergebnis. Wenn das Ergebnis nicht stimmt, suchst du den Schritt, an dem es schiefging. Dieses Bild trägt weiter als jede Definition.

Vierzig Jahre Technikgeschichte sind ein gutes Gegengift gegen Panik und gegen Euphorie. Als Vortrag steht das auf der Seite zu meinen KI-Keynotes, als Begleitung im Unternehmen bei CTRL+ALT+LEAD.

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