Ich messe lieber zehn Zahlen monatlich als hundert einmal im Jahr. Das ist keine Faulheit, das ist die Erfahrung aus zu vielen Herbstgesprächen. Die Frage nach dem ROI von KI kommt fast immer zu spät, meistens im Oktober, wenn die Budgetrunde für das nächste Jahr läuft und der Geschäftsführer wissen will, was die 180.000 Euro für Lizenzen und Beratung gebracht haben. Und dann sitzen drei Leute im Raum, die drei verschiedene Antworten haben, und keine davon hat eine Zahl.
Ohne Messung ist KI eine Meinungsfrage. Feld 9 des KI-Zielbilds sorgt dafür, dass sie keine bleibt.
Zwei Arten von Kennzahlen, ein Dashboard
Der Fehler ist selten, dass gar nicht gemessen wird. Der Fehler ist, dass nur die Ergebniszahlen gemessen werden, und die kommen zu spät. Deshalb gehören von Anfang an zwei Arten von Kennzahlen ins gleiche Dashboard.
Leading-Kennzahlen zeigen, ob das Vorhaben in Bewegung ist. Nutzung: Wie viele Personen öffnen das Tool mindestens einmal pro Woche, das ist die 400-zu-60-Zahl aus Tag 3. Pipeline: Wie viele Use Cases sind eingereicht, bewertet, in Umsetzung. Use Cases live: Wie viele davon werden im Betrieb genutzt, nach dem Kriterium aus Tag 6, also ohne dass jemand daneben sitzt. Kompetenz: Wie viele Mitarbeitende haben das Lernprogramm durchlaufen und mindestens eine echte Aufgabe damit erledigt.
Lagging-Kennzahlen zeigen, ob es sich lohnt. Zeit: Durchlaufzeit im Angebotsprozess, neun Tage zu zwei aus Tag 4. Kosten: Aufwand pro Vorgang, in Stunden oder Euro. Umsatz: Angebote, die ohne KI nicht entstanden wären, aus Tag 5. Zufriedenheit: Kunden oder Mitarbeitende, je nach Hebel, gemessen mit einer einzigen Frage.
Die Leading-Werte bewegen sich nach Wochen. Die Lagging-Werte nach Quartalen. Wer nur die zweite Gruppe misst, steht sechs Monate im Dunkeln und diskutiert Meinungen. Wer nur die erste Gruppe misst, hat ein aktives Team und keine Ahnung, ob es etwas bringt. Beides im selben Dashboard, und die Verbindung wird sichtbar: Erst steigt die Nutzung, dann gehen die Use Cases live, dann fällt die Durchlaufzeit. Wenn die Nutzung steigt und die Durchlaufzeit nach zwei Quartalen nicht fällt, ist der Hebel falsch gewählt, und das sieht man dann rechtzeitig.
Ein Blatt, monatlich, zehn Zahlen
Das Dashboard bei dem Mittelständler aus Tag 8 ist eine Seite. Eine Tabelle, zehn Zeilen, zwölf Spalten für die Monate, und eine Spalte für das Ziel aus Feld 1. Vier Leading-Zahlen, vier Lagging-Zahlen, dazu Lizenzkosten und die Zahl der offenen Governance-Fragen. Gepflegt vom Controlling, weil das Controlling ohnehin monatlich Zahlen einsammelt und weil die Lagging-Werte dort schon liegen.
Mehr braucht es nicht. Ich habe KI-Dashboards mit 40 Kennzahlen gesehen, die nach dem zweiten Monat niemand mehr gepflegt hat. Zehn Zahlen, die jemand jeden Monat anschaut, schlagen hundert Zahlen, die einmal im Jahr für die Budgetrunde zusammengesucht werden.
Warum das ab Tag eins läuft
Das Dashboard entsteht nicht am Ende, sondern in der ersten Woche des Domain-Projekts aus Tag 6, mit den Nullwerten. Die Durchlaufzeit vor dem Projekt, die Nutzung vor dem Lernprogramm, der Aufwand pro Angebot vor dem neuen Prozess. Ohne diese Nullwerte gibt es später keinen Vergleich, und ohne Vergleich gibt es im Herbst wieder drei Meinungen.
Drei Fragen für das eigene Unternehmen: Welche vier Leading-Zahlen könnt ihr ab nächster Woche monatlich erheben? Welche vier Lagging-Zahlen liegen im Controlling schon vor? Und wer schaut das Blatt jeden Monat an, mit Namen und Termin?
Stück 9 von 10. Morgen das letzte Feld, das unbequemste: Führung. Und das komplette Zielbild als PDF.
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