Es ist erstaunlich, wie schnell sich unsere Welt verändert. Denk an die Zeit zurück, als die ersten Fast-Food-Ketten Kreditkarten annahmen. Viele fanden das abwegig und konnten sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendwer jemals einen Burger mit Karte bezahlen würde. Ein Burger auf Kredit? Warum?
Heute hält halb Deutschland das Handy an ein Terminal und denkt nicht einmal darüber nach. Zwischen diesen beiden Zuständen liegt kein Jahrhundert.
Die Zahlen, die damals niemand geglaubt hätte
2025 wurde die girocard rund 8,3 Milliarden Mal eingesetzt, ein Plus von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Umsatz von etwa 308 Milliarden Euro. Die spannendere Zahl steht weiter unten in der Statistik: Der Durchschnittsbon ist auf 37,25 Euro gefallen, nach 38,85 Euro im Jahr davor. Die Karte wandert nach unten, in die Bäckerei, an den Kiosk, an genau die Stellen, an denen vor zehn Jahren jeder Kartenzahler die Schlange aufgehalten hätte.
Beim kontaktlosen Bezahlen ist der Verlauf noch deutlicher. Über das gesamte Jahr 2020 lag der Anteil knapp über 50 Prozent, im Dezember desselben Jahres bei gut 60 Prozent. Im Dezember 2025 waren es 88,5 Prozent. Fünf Jahre für den Weg von der Hälfte auf fast alles.
Der Moment, in dem eine Technologie unsichtbar wird
Die eigentliche Zäsur ist nicht der Tag, an dem eine Technologie funktioniert, sondern der Tag, an dem niemand mehr über sie spricht. Kontaktloses Bezahlen hat diesen Punkt irgendwo zwischen 2020 und 2022 überschritten, und zwar so leise, dass sich kaum jemand an einen bewussten Umstellungsmoment erinnert.
Gefragt wurde damals viel. Ist das sicher? Was passiert mit meinen Daten? Was kostet das den Händler? Beantwortet hat diese Fragen am Ende der Alltag. Man hielt die Karte hin, es klappte, man hielt sie wieder hin.
Wo KI gerade steht
Die Diskussion über KI in Unternehmen klingt 2026 ziemlich genau wie die Diskussion über Kartenzahlung im Jahr 2015. Es geht um Sicherheit, um Datenschutz, um Kosten und um die Frage, ob man das überhaupt braucht. Diese Fragen sind berechtigt, und sie werden trotzdem nicht die Antwort liefern, die am Ende zählt.
Was zählt, ist die Häufigkeit. In seinem ersten Report zum Stand der KI in Unternehmen hat OpenAI im Herbst 2025 eine Lücke beschrieben, die schwer zu ignorieren ist: Die aktivsten Mitarbeitenden schicken sechsmal so viele Nachrichten an ChatGPT wie der Median im selben Haus. Gleiche Lizenz, gleiches Onboarding, andere Gewohnheit.
Der Vergleich hinkt an einer Stelle, und die ist wichtig. Kartenzahlung verlangte vom Einzelnen eine einzige neue Bewegung, während KI verlangt, dass jemand seine Arbeitsweise auseinandernimmt und anders zusammensetzt. Deshalb dauert es länger, und deshalb fällt die Entscheidung im Unternehmen und nicht am Terminal.
Drei Schlüsse für die eigene Organisation
Adoption ist eine Kurve und kein Schalter. Wer direkt nach dem Rollout misst, wie viele Lizenzen aktiviert wurden, misst den Tag der Auslieferung. Interessant wird es ein halbes Jahr später, wenn sich zeigt, welche Vorgänge tatsächlich anders laufen als vorher.
Der kleine Beleg verrät mehr als der grosse. Kartenzahlung wurde in dem Moment normal, in dem sie sich für 4,50 Euro lohnte. Bei KI gilt dasselbe. Der Stand der Dinge steht in der Frage, ob jemand das Werkzeug auch für eine Aufgabe von zwanzig Minuten aufmacht, und nicht im Leuchtturmprojekt.
Skepsis löst sich durch Wiederholung auf. Kein Argument hat jemanden vom kontaktlosen Bezahlen überzeugt. Überzeugt hat die dritte Zahlung, die problemlos durchging. Wer will, dass KI im Haus ankommt, braucht deshalb weniger Überzeugungsarbeit und mehr Anlässe.
Die Skepsis von heute ist erstaunlich oft die Selbstverständlichkeit von übermorgen. Das ist keine Aufforderung, jeden Trend mitzunehmen. Es ist eine Aufforderung, die eigene Sicherheit darüber zu prüfen, was sich angeblich nie durchsetzen wird.
Häufig gestellte Fragen
Kürzer, als die Debatte darüber vermuten lässt. Beim kontaktlosen Bezahlen lag der Anteil an allen girocard-Transaktionen 2020 knapp über 50 Prozent, im Dezember 2025 bei 88,5 Prozent. Der Weg von der Hälfte auf fast alles hat also rund fünf Jahre gebraucht.
Das Muster der Verbreitung. Beide Technologien wurden zuerst über Sicherheit, Datenschutz und Kosten diskutiert und dann durch Wiederholung im Alltag normal. Der Unterschied liegt im Aufwand: Eine Karte hinhalten lernt man in einer Sekunde, eine Arbeitsweise ändert man über Monate.
An den kleinen Fällen. Wenn Mitarbeitende das Werkzeug auch für eine Aufgabe von zwanzig Minuten aufmachen, ist es Teil des Arbeitsablaufs geworden. Solange es nur für grosse Projekte hervorgeholt wird, ist es eine Anschaffung geblieben, und die Zahl der Lizenzen sagt darüber nichts aus.
Was die Kurve beschleunigt, sind Anlässe und keine Argumente. Solche Anlässe baue ich als Keynote in Führungskreise ein und arbeite danach über CTRL+ALT+LEAD daran, dass aus dem Vortrag ein veränderter Ablauf wird.
Zahlen zur girocard: Initiative Deutsche Zahlungssysteme, Jahreszahlen 2025. Entwicklung der kontaktlosen Transaktionen nach Auswertungen von Statista.






