Claude Code: Wie ich Software baue ohne zu programmieren

Vor ein paar Wochen hab ich geschrieben, dass mein GitHub nie so aktiv war wie gerade. Dass ich mit KI in Wochen baue, wofür ich früher Monate gebraucht hätte. gutinvestiert.de, checkedeineki.de, andere Tools, Projekte, die jahrelang in der „irgendwann mal“ Schublade lagen.

Viele haben darauf geschrieben: „Klingt cool, aber wie genau machst du das?“

Die Antwort ist einfacher, als ihr denkt. Und sie heisst Claude Code.

Was ist Claude Code überhaupt?

Kurz gesagt: Claude Code ist ein Modus von Claude, in dem die KI direkt auf deinem Computer arbeitet. Sie liest Dateien, schreibt Code, erstellt Projekte, führt Befehle aus. Nicht in einem Chat-Fenster, wo du Antworten kopierst. Sondern direkt in deinen Ordnern, in deinen Dateien, auf deiner Maschine.

Für Entwickler war das von Anfang an ein Gamechanger. Aber seit Januar 2025 hat sich was verändert: Claude Code ist nicht mehr nur für Leute die programmieren können. Es ist für alle, die wissen, was sie wollen.

Der Unterschied? Du tippst kein Python oder JavaScript. Du tippst Deutsch. Oder Englisch. Egal. Du beschreibst, was du brauchst, und Claude baut es.

Englisch ist der neue Code. Und das meine ich wörtlich.

Die Claude-Produktlinie in 30 Sekunden

Bevor wir einsteigen, ein kurzer Überblick damit klar ist wovon wir reden:

Claude Chat ist der Chatbot. Wie ChatGPT. Du stellst Fragen, du bekommst Antworten.

Claude Projects sind abgetrennte Arbeitsbereiche. Immer noch Chat, aber organisiert nach Projekten. Du lädst Dokumente hoch, gibst Kontext, und arbeitest innerhalb eines Themas.

Claude Cowork ist der Modus, den ich am meisten nutze für Content und Dokumente. Stellt euch vor, Google Drive und Claude hätten ein Kind. Du arbeitest mit Dateien, Claude liest und bearbeitet sie direkt.

Claude Code ist die Revolution. Claude programmiert für dich. Liest deine Projektdateien, schreibt Code, erstellt Websites, baut Tools. Und du musst dafür nicht eine einzige Zeile Code verstehen.

Warum mich das verändert hat

Ich bin kein Entwickler. Ich habe zwar Informatik studiert, nur Entwickeln war nie meins. Maximal der MacGyver, der es mit Gaffa und Kaugummi zusammenbaut, es aber nach dem ersten schiefen Angucken auseinanderfällt.

Und ich hab Ideen. Viele Ideen. Und früher war der Weg von der Idee zum Produkt lang und teuer. Du brauchtest ein Entwickler-Team, ein Budget, Monate Zeit.

Heute setze ich mich hin, öffne Claude Code, beschreibe, was ich will, und drei Stunden später habe ich einen funktionierenden Prototypen. Manchmal schneller. Das ist keine Übertreibung, das ist mein Alltag bei CTRL+ALT+LEAD geworden.

So richtest du Claude Code ein (ohne Coding)

Jetzt wird es praktisch. Alles was du brauchst:

Schritt 1: Claude installieren

Geh auf claude.com/download und lad die Desktop-App runter. Du brauchst einen Pro-Account für 20 Dollar im Monat. Das klingt viel, ist es aber nicht, wenn du siehst, was du damit bauen kannst.

Öffne die App. Oben siehst du die Tabs: Chat, Cowork und Code. Klick auf Code.

Claude fragt dich nach einem Ordner. Erstell einen auf deinem Computer, nenn ihn wie du willst. „Projekte“ oder „Claude-Code“ zum Beispiel. Das ist der Ort wo Claude arbeiten wird. Erlaube auf keine Fall den Gesamt-Zugriff auf deinen Rechner. Das.Willst.Du.Nicht.

Ein Ordner, eine Umgebung, die du kontrollierst.

Schritt 2: GitHub-Account erstellen

GitHub ist der Ort, wo dein Code lebt. Denk an Google Drive, aber für Software. Wenn du eine Website bauen willst, die auch wirklich online geht, brauchst du GitHub.

Geh auf github.com und registriere dich. Kostenlos. Die Sign-up Fragen sind absurd nervig (zehn Captcha-Rätsel, kein Witz), aber danach ist es geschafft.

Dann gehst du zurück in die Claude App. Unter Settings → Connectors suchst du nach GitHub und verbindest deinen Account.

Schritt 3: Dein erster Prompt

Jetzt kommt der Teil, der sich wie Magie anfühlt. Wähle Opus 4.6 als Modell (das smarteste) und aktiviere „Auto accept edits“.

Dann tippst du einfach, was du willst. Hier ist ein Template das ich oft nutze:

Erstelle ein GitHub Repository namens „[projektname]“. Ich kann nicht programmieren und will es auch nicht lernen, aber verstehen was du machst. Programmiere alles für mich. Frag so wenig wie möglich nach Genehmigungen. Ich möchte [Ziel] für [Kontext]. Hier ist ein Beispiel [Screenshot oder Link]. Folgende Schritte: [was du brauchst].

Das war’s. Claude liest deinen Prompt, versteht, was du willst, und fängt an zu bauen. Du siehst in Echtzeit, wie Dateien entstehen, wie Code geschrieben wird, wie ein Projekt aus dem Nichts wächst.

Schritt 4: Der Feedback-Loop

Claude baut dir einen ersten Entwurf. Dann schaust du es dir an. Frag Claude nach einem Live-Link, damit du die Website im Browser sehen kannst. Und dann geht der Loop los:

Du schaust dir die Seite an. Du notierst, was nicht passt. Du schreibst es Claude als nummerierte Liste. Claude fixt es. Du schaust nochmal. Und so weiter.

Das ist Vibecoding. Du redest, die KI baut. Du korrigierst, die KI passt an. Kein Code nötig, nur klare Worte.

Der Trick für 100x mehr Speed

Es gibt ein Problem: Claude fragt ständig nach Genehmigungen. Jede Datei die erstellt wird, jeder Befehl der ausgeführt wird. Bei einem kleinen Projekt klickst du 20x „Erlauben“. Das tötet den Flow.

Die Lösung: VS Code mit der Claude-Extension. (Oder Cursor, oder Antigravity…)

Was ist VS Code? Die kostenlose Software die Entwickler zum Programmieren nutzen. Du wirst darin keinen Code schreiben. Aber Claude wird es für dich tun.

So geht’s:

Lad VS Code runter von code.visualstudio.com (kostenlos). Öffne es, klick links auf das Extensions-Icon (sieht aus wie vier kleine Quadrate), such nach „Claude“ von Anthropic und installiere es. Melde dich mit deinem Anthropic-Account an.

Dann der entscheidende Schritt: Geh in die Claude-Settings innerhalb von VS Code. Finde die Option „Skip Permissions“ und aktiviere sie. Ab jetzt arbeitet Claude ohne Unterbrechungen.

Öffne eine neue Session, stell sicher, dass „Bypass permissions“ an ist, und los geht’s. Claude liest deine Dateien, schreibt Code, erstellt neue Dateien, führt Befehle aus. Ohne eine einzige Unterbrechung. Du gehst Kaffee holen, und wenn du zurückkommst, ist die halbe Website fertig.

Meine Prompting-Regeln

Nach Wochen mit Claude Code hab ich ein paar Sachen gelernt die den Unterschied machen:

Fang mit einem Screenshot an. Du hast eine Website gesehen, die dir gefällt? Screenshot machen, in Claude Code reinziehen und sagen: „Bau mir was, das so aussieht, aber für mein Projekt.“ Geht zehnmal schneller als Beschreibungen in Worten. Den Link reinkopieren klappt auch gut.

Beschreibe das Ergebnis, nicht die Schritte. Sag nicht „erstelle eine HTML-Datei mit CSS und Flexbox“. Sag: „Ich will eine Landing Page für mein Beratungsgeschäft. Große Headline, vier Services, ein Buchungslink, Footer mit meinen Social-Links.“

Du bist der Projektmanager, Claude ist der Entwickler.

Immer eins nach dem anderen. Nicht zwölf Features in einen Prompt packen. Erst die Homepage. Wenn die sitzt, die Kontaktseite. Dann der Blog. Jede Konversation ist ein Sprint mit einem Ergebnis. (Es gibt auch den Modus, wo du zusammen mit Claude erst einmal planst und sobald der Plan steht, läuft dann Claude alleine los).

Wenn was scheiße aussieht: Screenshot. Sieht ein Bereich auf dem Handy komisch aus? Screenshot machen, in Claude Code pasten: „Dieser Abschnitt überlappt auf Mobile. Fix das.“ Dauert zehn Sekunden statt einem Absatz Erklärung.

Das Gedächtnis: CLAUDE.md

Ein Trick den ich bei jedem Projekt nutze: Nach der ersten Session sage ich Claude:

Erstelle eine CLAUDE.md Datei im Hauptordner dieses Projekts. Schreib alles rein was du über dieses Projekt gelernt hast. Die Ordnerstruktur, was jede Datei macht, welche Design-Entscheidungen ich getroffen hab (Schriften, Farben, Layout), meine Präferenzen, welche Seiten existieren.

Claude erstellt eine Gedächtnis-Datei. Wenn du drei Tage später den gleichen Ordner öffnest, liest Claude die Datei zuerst und weiss sofort Bescheid. Du sagst „Füge einen Blog-Bereich hinzu“ und Claude baut ihn im exakt gleichen Stil wie alles andere. Entwickler machen das seit Monaten so, jetzt kannst du es auch.

Das ist vor allem hilfreich, wenn das so genannte Kontext-Fenster zu klein wird, d.h. Claude nicht mehr alles in seinen Zwischenspeicher bekommt und dadurch „Dinge vergisst“. Das ist deine Referenz.

Wo Claude Code an seine Grenzen stösst

Ich bin immer ehrlich, also hier die Nachteile:

Es frisst Usage wie verrückt. Eine Claude Code Session verbraucht so viel wie zwanzig normale Chat-Konversationen. Mit dem Pro-Plan für 20€ im Monat stösst du schnell ans Limit, wenn du täglich damit arbeitest. Ich bin auf dem Max-Plan für 100€ und für das, was ich damit baue und umsetze, ist es das absolut wert.

Du kannst den Code nicht reviewen. Wenn Claude Code schreibt, vertraust du darauf, dass es funktioniert. Du liest keinen Code, ich auch nicht. Mein Workaround: Ich teste die fertige Website. Jeden Button klicken, auf dem Handy prüfen, jede Seite durchgehen. Deine Augen sind dein Code-Review.

Außerdem lasse ich Claude selber Tests schreiben.

Und genau hier liegt auch ein riesiger Vorteil, den viele übersehen: Selbst wenn du am Ende einen professionellen Entwickler holst, hast du mit Claude Code einen funktionierenden Prototypen. Du zeigst dem Dev exakt, was du willst, statt es in einem Briefing zu beschreiben. Das spart allen Beteiligten Wochen.

Es dreht sich manchmal im Kreis. Claude trifft auf einen Bug, versucht ihn zu fixen, erzeugt einen neuen Bug, versucht den zu fixen. Du merkst das, wenn der gleiche Fehler zweimal auftaucht. Mein Trick: „Stopp. Erklär mir, was schiefläuft. Gib mir zwei verschiedene Ansätze.“ Bricht den Loop jedes Mal.

Design-Geschmack ist mittelmässig. Claude baut funktionale Websites. Aber die Default-Designs sehen generisch aus. Du musst pushen. Screenshots zeigen von dem, was du willst. Schriften, Abstände, Farben angeben. Wenn du sagst „mach es hübsch“ bekommst du, was das aussieht wie alle anderen.

Deine ersten 30 Minuten

Nimm dir dieses Wochenende eine halbe Stunde. Mehr brauchst du nicht für den Anfang.

Minuten 0 bis 5: Claude installieren, Pro-Account aktivieren, Code-Tab öffnen.

Minuten 5 bis 10: Einen Ordner erstellen. Eine Datei reinlegen: about-me.md. Drei Sachen reinschreiben: Was du beruflich machst, wie du kommunizierst, ein Beispiel von deiner Arbeit.

Minuten 10 bis 15: In Claude Code den Ordner öffnen. Opus 4.6 auswählen. Einen Prompt schreiben: „Ich will [Aufgabe] für [Ziel]. Lies erst meine Dateien im Ordner.“

Minuten 15 bis 25: Zuschauen was passiert. Feedback geben. Sagen was dir nicht gefällt. Claude passt an.

Minuten 25 bis 30: Realisieren, dass du gerade eine funktionierende Website gebaut hast ohne eine einzige Zeile Code zu schreiben.

Warum das jetzt relevant ist

Ich hab letzte Woche geschrieben: Something big is happening. Die Barrier to Entry für Software-Entwicklung implodiert gerade. Claude Code ist ein Teil davon, und zwar ein grosser.

Wenn du eine Idee hast, die seit Monaten in deinem Kopf rumschwirrt, wenn du ein Tool brauchst, das es nicht gibt, wenn du eine Website willst, die genau so aussieht, wie du sie dir vorstellst: Du brauchst kein Entwickler-Team mehr. Du brauchst Claude Code und 30 Minuten an einem Sonntagnachmittag.

Und selbst, wenn du keine Idee hast und nichts von dem da oben, dann einfach einmal machen, um zu verstehen, was da gerade passiert!

Der Rest kommt von alleine. Versprochen.

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