Was du von einer KI lernen kannst, die mit halber Belegschaft gewinnt

Sebastian Winkler als Speaker auf der Bühne zum Thema It is Over

Stell dir vor, du führst ein Unternehmen und deine Personalabteilung schlägt dir vor, die Hälfte der Belegschaft zu entlassen.

Der Grund? Eine neue KI-Analyse hat gezeigt, dass die verbleibende Hälfte die Arbeit locker schaffen kann – wenn sie nur effizient genug arbeitet.

Klingt absurd?

In der Welt der Computerspiele ist genau das gerade passiert. In einem beliebten Fußball-Manager-Spiel hat eine KI die Meisterschaft gewonnen.

Der Clou: Sie nutzte dafür über die gesamte Saison hinweg nur exakt 11 Spieler.

Keine Auswechselspieler. Keine Rotation.

Die KI hatte berechnet, dass diese 11 Spieler die besten waren und dass sie, wenn sie ihre Energie perfekt einteilten, jedes Spiel durchspielen konnten.

Und sie hatte recht. Im sterilen Labor des Spiels funktionierte die maximale Effizienz.

Das Problem mit der Labor-Effizienz

Aber was sagt uns das über die Realität? Sollten wir jetzt alle unsere Puffer streichen und auf Kante nähen?

Das Gegenteil ist der Fall.

Das Experiment zeigt uns nicht, wie wir Menschen sein sollten. Es zeigt uns, wie wir nicht sind.

Die KI konnte nur gewinnen, weil das Spiel entscheidende Faktoren der Realität ausblendete:

  • Es gab keine Verletzungen im Training.
  • Niemand wurde krank.
  • Niemand hatte einen schlechten Tag, weil das Kind die ganze Nacht geschrien hat.
  • Es gab keine unvorhergesehenen Krisen, die zusätzliche Ressourcen erforderten.

In einer Welt ohne Zufall und ohne menschliche Schwäche ist totale Effizienz die beste Strategie.

Die Realität braucht Puffer für Resilienz

Aber wir leben nicht in dieser Welt.

In unserer Welt ist Effizienz ohne Puffer keine Stärke, sondern ein enormes Risiko. Es ist ein System, das beim kleinsten unvorhergesehenen Ereignis zusammenbricht.

Die Lektion, die wir von der KI lernen können, ist also nicht, wie wir effizienter werden.

Sondern wie wichtig das ist, was die KI weggelassen hat: Redundanz, Puffer, Pausen.

Das, was im BWL-Lehrbuch oft als „Verschwendung“ gebrandmarkt wird.

Fazit: Widerstandsfähigkeit vor Optimierung

Wenn du dein Unternehmen (oder dein Leben) auf maximale Effizienz trimmst, baust du ein Kartenhaus. Es sieht beeindruckend aus, solange der Wind still ist.

Aber die Realität ist stürmisch.

Wahre Stärke liegt nicht darin, mit minimalem Einsatz das Maximum herauszuholen, solange alles perfekt läuft.

Wahre Stärke – echte Resilienz – bedeutet, Kapazitäten für das Unvorhergesehene zu haben. Damit du handlungsfähig bleibst, wenn das Leben (oder der Markt) nicht nach Plan spielt.

Lerne von der KI. Aber lerne das Richtige:

Optimiere nicht die Puffer weg, die dich am Leben halten.

Und für alle, die sich für die Wissenschaft dahinter interessieren, hier folgender Beitrag:

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