776 Milliarden Dollar. So viel haben Microsoft, Amazon, Google und Meta in drei Jahren für KI Infrastruktur ausgegeben. Und wenn man genau hinschaut, kann dir keiner sagen wofür genau.
Edward Zitron hat das in einem 19.000 Wörter Essay namens „The Enshittifinancial Crisis“ aufgeschrieben. Ich hab ihn komplett gelesen. Und einiges davon sollte jeder kennen der mit KI Strategie zu tun hat.
Pressemitteilungen sind keine Deals
Das Muster ist immer dasselbe. Und wenn man es einmal versteht, sieht man es überall.
NVIDIA und OpenAI verkünden einen „100 Milliarden Deal“. Klingt gewaltig. War aber nur ein Letter of Intent. Kein Geld ist geflossen. Trotzdem ging die Aktie hoch.
Oracle und OpenAI: 300 Milliarden angekündigt. Oracles CEO ist Wochen später zurückgetreten. Die Aktie ist 40% eingebrochen.
AMD und OpenAI: „Dutzende Milliarden“ versprochen. Nächstes Quartal: null Umsatz aus dem Deal. Null. Kein einziger Analyst hat nachgefragt.
Das Muster: Grosse Ankündigung. Aktie steigt. Earnings Call kommt. Kein Umsatz. Weiter zum nächsten Deal.
CoreWeave: Das Pulverfass
Und dann ist da CoreWeave. Ein GPU Cloud Anbieter den vor drei Jahren kaum jemand kannte. Heute: 25 Milliarden Dollar Schulden bei 5 Milliarden Umsatz.
Das Geschäftsmodell klingt erst mal okay. Bis man merkt: Die Kunden müssen erst nach 360 Tagen zahlen. Und NVIDIA, der wichtigste Chiplieferant, ist gleichzeitig Investor und grösster Kunde. Wenn OpenAI (der grösste Abnehmer von CoreWeave) zu spät zahlt, fällt das ganze Konstrukt zusammen.
Das ist keine Blase im klassischen Sinn. Das ist ein Kartenhaus. Und es steht auf dem Fundament von Pressemitteilungen und Letter of Intents.
Was das für echte Unternehmen bedeutet
Als jemand der über CTRL+ALT+LEAD Unternehmen bei KI Strategie berät und als digitaler Beirat mit Geschäftsführern an einem Tisch sitzt, sage ich: Die Technologie ist real. KI verändert tatsächlich wie wir arbeiten. Keine Frage.
Aber was an der Börse passiert hat mit der Realität in mittelständischen Unternehmen nichts zu tun. Gar nichts.
Die 776 Milliarden fliessen in Rechenzentren und GPUs. Nicht in eure Prozesse. Nicht in eure Use Cases. Nicht in eure Mitarbeiter. Das müsst ihr selber machen. Und zwar mit klarem Blick dafür was echten Wert schafft und was nur gut klingt.
Mein Rat: Prüft eure Dienstleister. Fragt nach echten Zahlen, echten Ergebnissen, echten Referenzen. Und lasst euch nicht von Pressemitteilungen blenden. Die grossen Player spielen ein Spiel das mit eurer Realität nichts zu tun hat.
Den vollständigen Essay von Edward Zitron findet ihr hier: https://www.wheresyoured.at/the-enshittifinancial-crisis/