Something Big Is Happening. Und diesmal meine ich es ernst.

Matt Shumer hat einen Blogpost geschrieben, der mich nicht mehr loslässt.

Der Titel: „Something Big Is Happening“. Normalerweise scrolle ich bei solchen Headlines weiter. Zu viel Hype, zu wenig Substanz.

Andererseits bin ich natürlich auch anfällig dafür, dank meines FOMO.

Shumer ist kein Clickbait-Schreiber. Er baut KI-Produkte. Jeden Tag. Und was er beschreibt, deckt sich exakt mit dem, was ich gerade erlebe.

Seine These: Wir stehen an einem Wendepunkt. Nicht irgendwann. Jetzt. In diesem Quartal. In diesem Monat.

Und ich glaube, er hat recht.

Was Shumer beschreibt

Shumer sagt, er muss keine technische Arbeit mehr selbst machen. Er beschreibt, was er will und die KI liefert. Nicht einen ersten Entwurf, den er dann stundenlang überarbeitet, sondern fertige Produkte. Die KI testet sich selbst, iteriert, verbessert und präsentiert das Ergebnis.

Das klingt übertrieben. Ist es aber nicht. Ich erlebe genau das Gleiche.

Gucken wir uns doch mal eine Timeline an, die man sich mal auf der Zunge zergehen lassen muss:

  • 2022 konnte KI nicht zuverlässig rechnen.
  • 2023 hat sie das Anwaltsexamen bestanden.
  • 2024 konnte die KI die Anzahl der „e“ in „Erdbeere“ nicht richtig zählen. (es sind 4!)
  • Ende 2025 haben einige der besten Ingenieure den Grossteil ihrer Coding-Arbeit an KI übergeben.

Und dann der Satz der alles verändert: GPT-5.3-Codex war das erste Modell das massgeblich an seiner eigenen Erschaffung beteiligt war. KI baut KI. Das ist keine Zukunftsvision. Das passiert jetzt.

Mein GitHub war nie so aktiv wie gerade

Und genau hier wird es persönlich. Denn was er beschreibt, ist nicht nur Theorie. Ich lebe das gerade.

Mein GitHub Profil war noch nie so aktiv wie in den letzten Wochen. Nicht weil ich plötzlich 16 Stunden am Tag code. Sondern weil ich mit KI in einem Bruchteil der Zeit baue, wofür ich früher Wochen gebraucht hätte (oder um ehrlich zu sein es nie geschafft habe es zu bauen).

gutinvestiert ist das beste Beispiel. Ein KI Readiness Check, den ich gebaut habe. Nicht mit einem Team von Entwicklern. Nicht mit einem sechsstelligen Budget. Sondern mit KI als Co-Pilot. Idee am Morgen, Prototyp am Abend. Iteration über Nacht. Launch in 12 Tagen statt Monaten.

Und gutinvestiert ist nicht das einzige Projekt. Da sind noch andere Tools, andere Ideen, die plötzlich machbar werden. Dinge, die vor einem Jahr noch in der „irgendwann mal“ Schublade lagen. Weil der Aufwand zu gross war. Weil ich kein ganzes Dev-Team hatte. Weil die Kosten nicht gerechtfertigt waren.

Das alles hat sich verändert. Radikal.

Die Zahlen die man nicht ignorieren kann

METR misst, wie sich die Aufgaben-Komplexität entwickelt, die KI bewältigen kann. Die Modelle sind von 10-Minuten-Aufgaben bis zu fast 5-Stunden-Aufgaben vorangeschritten. Die Verdopplungsrate: etwa alle sieben Monate.

Sieben Monate.

Das heisst: Was KI heute nicht kann, kann sie wahrscheinlich im Herbst. Was sie im Herbst nicht kann, kann sie nächstes Frühjahr. Diese Kurve flacht nicht ab. Sie wird steiler.

Dario Amodei, CEO von Anthropic, prognostiziert dass KI innerhalb von ein bis fünf Jahren 50% der Einstiegs-Jobs im White-Collar-Bereich ersetzen wird. Nicht verändern. Ersetzen.

Und für 2026/2027 werden Modelle erwartet, die klüger sind als fast alle Menschen. In fast allen kognitiven Aufgaben.

Das ist kein Hype-Talk. Das kommt von Leuten, die diese Modelle bauen.

Ich frage bei meinen Voträgen auch immer:


Wer glaubt, dass Alle Aktivitäten, die ich im HomeOffice mache bis 2030 durch eine KI ersetzt werden?

Und meine Antwort ist stets 100%.

Nur bin ich mir gerade nicht mehr sicher, ob es wirklich noch 3,5 Jahre dauert!

Warum mich das nicht ängstigt sondern antreibt

Ich verstehe, dass diese Zahlen Angst machen. Und ja, die Disruption, die kommt wird brutal. Für bestimmte Berufsfelder. Für bestimmte Geschäftsmodelle. Für alle die glauben, sie könnten noch zwei Jahre warten und dann mal schauen.

Aber gleichzeitig ist das der grösste Enabler, den es je für Einzelpersonen und kleine Teams gab.

Denkt mal drüber nach. Vor drei Jahren brauchtest du für eine SaaS-Anwendung ein Team aus Frontend-Entwicklern, Backend-Entwicklern, DevOps, QA und einem Projektmanager. Budget: mindestens sechsstellig. Timeline: sechs bis zwölf Monate.

Heute? Eine Person mit einer klaren Vision und den richtigen KI-Tools. Timeline: Wochen. Budget: fast null.

Ein weiteres Projekt, dass mittlerweile bei mir intern noch viel weiter gewachsen ist.

Das ist keine Übertreibung. Das ist meine Realität gerade. Das ist die Realität von Tausenden Buildern da draussen, die genau jetzt die Produkte von morgen bauen. Nicht in Konzernen. In ihren Wohnzimmern. Abends. Am Wochenende. Zwischen Kindern ins Bett bringen und Podcasts hören oder sogar im Auto mit der Diktierfunktion!

Was das für Unternehmen bedeutet

Bei CTRL+ALT+LEAD sehen wir zwei Typen von Unternehmen.

Die ersten schauen zu. Sie haben eine „KI-Strategie“ die aus einem PowerPoint-Deck besteht. Sie haben ein „Innovation Lab“ das nichts produziert. Sie reden über KI auf Konferenzen und nutzen sie nicht im Alltag.

Die zweiten bauen. Sie geben ihren Leuten die Tools. Sie schaffen Freiräume zum Experimentieren. Sie messen nicht, ob jemand KI nutzt, sondern was dabei rauskommt.

Ratet mal, welche Gruppe in drei Jahren noch relevant ist.

Shumer vergleicht den aktuellen Moment mit dem Beginn von COVID. Alle haben die Signale gesehen. Die meisten haben zu langsam reagiert. Als es offensichtlich war, war es für viele schon zu spät.

Ich sehe die gleiche Dynamik bei KI. Die Signale sind überall. 700 Millionen Menschen nutzen ChatGPT. Jede Woche. Und trotzdem behandeln die meisten Unternehmen KI wie ein IT-Projekt.

Die Jobs die verschwinden werden

Shumer listet Berufsfelder auf, die besonders betroffen sind: juristische Arbeit, Finanzanalyse, Content-Erstellung, Software-Engineering, medizinische Bildanalyse, Kundenservice.

Das deckt sich mit dem, was ich bei meinen Kunden sehe. Die Nachfrage nach bestimmten Rollen sinkt bereits messbar. Was steigt: die Nachfrage nach Menschen, die mit KI bauen können. Die wissen, wie man promptet. Die verstehen, wann KI Bullshit erzählt und wann sie Gold liefert.

Und genau das ist der Punkt. Die Frage ist nicht, ob KI deinen Job verändern wird. Die Frage ist, ob du derjenige bist, der die KI nutzt, oder derjenige, der von ihr ersetzt wird.

Was ich jedem rate

Erstens: Nutzt die kostenpflichtigen Modelle. 20 Euro im Monat. Das ist nichts. Die Free-Versionen geben euch ein falsches Bild davon, was möglich ist.

Zweitens: Integriert KI in eure echte Arbeit. Nicht als Spielerei. Nicht um mal eine lustige E-Mail schreiben zu lassen. Sondern bei den harten Aufgaben. Den zeitfressenden. Den nervigen. Den Kackprozess.

Drittens: Baut etwas. Egal was. Ein Tool für euer Team. Eine App die ein Problem löst. Ein Skript, das euch drei Stunden pro Woche spart. Der Prozess des Bauens lehrt euch mehr über KI als jedes Webinar. Machen!

Viertens: Gewöhnt euch dran, dass sich alle sechs Monate alles ändert. Die Fähigkeit, sich schnell anzupassen, wird wichtiger als jedes spezifische Skill-Set.

Das ist der Moment

Ich sitze gerade hier und mein GitHub ist grüner als je zuvor. Nicht weil ich ein besserer Entwickler geworden bin. Sondern weil die Barrier to Entry für Software-Entwicklung gerade implodiert.

gutinvestiert existiert. Andere Projekte nehmen Form an. Ideen, die jahrelang in meinem Kopf waren, werden real. In Tagen statt Jahren.

Shumer hat recht. Something big is happening. Und der einzige Fehler, den man jetzt machen kann, ist zuzuschauen.

Baut. Experimentiert. Macht Fehler. Aber bleibt nicht stehen.

Denn diese Welle wartet nicht.

Hier findet ihr den Originalartikel: https://shumer.dev/something-big-is-happening


Sebastian Winkler ist Co-Founder von CTRL+ALT+LEAD, baut KI-gestützte Unternehmen und berät als digitaler Beirat Unternehmen bei der KI-Transformation.

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