Heute stehe ich in Bochum auf der Bühne. Commerzbank Zukunfts:Talk. Und ich rede über ein Thema, das vor zwei Jahren noch nach Sonntagsrede klang: digitale Souveränität. Grosses Wort. Abstrakt. Dachte ich auch mal.
Dann wurde es sehr konkret.
Die Frage dahinter ist nämlich keine politische, sondern eine unternehmerische: Wem gehört die KI, mit der du morgen dein Geschäft steuerst? Und was passiert, wenn der, dem sie gehört, plötzlich den Stecker zieht?
Das effizienteste Setup ist auch das abhängigste
Die meisten Mittelständler, mit denen ich arbeite, bauen ihre KI auf den grossen US-Plattformen. Aus gutem Grund. Es ist schnell, es ist bequem, es funktioniert am Montagmorgen. Niemand muss ein Rechenzentrum bauen.
Aber genau hier liegt der blinde Fleck. Das effizienteste Setup ist fast immer auch das abhängigste. Du baust dein halbes Unternehmen auf eine Infrastruktur, die du nicht kontrollierst, in einer Rechtsordnung, die nicht deine ist. Solange alles läuft, merkst du nichts. Das Problem zeigt sich erst, wenn es zu spät ist.
Microsoft konnte es nicht garantieren
Ein Beispiel, das ich heute auf der Bühne erzähle, weil es kein Bauchgefühl ist, sondern Protokoll.
Im Sommer letzten Jahres sass ein Microsoft-Manager vor dem französischen Senat. Die Frage war einfach: Können Sie garantieren, dass die Daten französischer Kunden nicht an US-Behörden gehen? Die Antwort, unter Eid: „Non, je ne peux pas le garantir.“ Nein, das kann ich nicht garantieren.
Das ist kein Aktivist, der das behauptet. Das ist der Anbieter selbst. Der Grund heisst CLOUD Act, ein US-Gesetz, das amerikanischen Behörden Zugriff auf Daten von US-Firmen gibt. Egal, wo die Server stehen. Auch wenn sie in Frankfurt stehen.
Und das ist keine Theorie geblieben. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat seine Microsoft-Verträge gekündigt und rund 1.800 Arbeitsplätze auf eine offene europäische Lösung umgezogen. Schleswig-Holstein stellt zehntausende Rechner auf Linux und LibreOffice um. Eine niederländische Notenbank wandert von Amazon zu einem europäischen Anbieter. Das Muster ist überall dasselbe, und die Begründung ist selten technisch. Sie ist geopolitisch.
Souveränität ist kein Aufpreis, sie ist oft billiger
Jetzt kommt der Satz, der die meisten im Saal überrascht. Souveränität kostet nicht mehr. Sie kostet oft weniger.
Der Reflex ist ja: europäisch und souverän, das ist bestimmt teuer. Stimmt nur nicht. Dieselbe Nvidia-Hardware kostet bei europäischen Anbietern je nach Setup einen Bruchteil dessen, was die grossen Hyperscaler aufrufen. Teurer wird es nur, wenn du die voll gemanagte Service-Maschine von Amazon oder Microsoft wirklich brauchst. Für deine vertraulichen Daten brauchst du die nicht.
Anders gesagt: Du zahlst beim Hyperscaler einen Aufschlag für Bequemlichkeit und gibst Kontrolle obendrauf. Bei vielen Anwendungen ist das ein schlechter Deal.
Fang bei deiner gefährlichsten Abhängigkeit an
Souveränität klingt nach einem Riesenprojekt. Ist es aber nicht, wenn du es richtig anfängst. Der Fehler ist die grosse Strategie. Ein Masterplan, der wichtig klingt, lange dauert und am Ende kaum etwas bewegt.
Dreh die Frage um. Nicht „Welche KI brauchen wir?“, sondern „Welche Abhängigkeit würde uns morgen am härtesten treffen?“
Such die eine Datei, das eine System, das du im Ernstfall nicht schnell zurückholen könntest. Vertraulich oder geschäftskritisch. In fremder Kontrolle. Schwer wechselbar. Aber klein genug, um es als ersten sichtbaren Schritt anzugehen. Das ist dein Startpunkt. Nicht alles raus aus der Cloud, sondern das Rote am falschen Ort zuerst.
Und davor steht ein Schritt, den fast niemand gemacht hat: eine simple Datenampel. Grün darf in jede Cloud. Gelb braucht eine geschützte Umgebung. Rot bleibt im Haus. Ein halber Tag Arbeit, und du weisst zum ersten Mal, was wo liegen darf.
Kontrolle statt Verzicht
Mir geht es nicht darum, dass du auf KI verzichtest. Im Gegenteil. Wer jetzt nicht KI nutzt, verliert nicht gegen die Technologie, sondern gegen die, die sie besser nutzen.
Es geht um etwas anderes. Es geht darum, dass du entscheidest, statt entschieden zu werden. Souveränität ist kein Verzicht und kein Aufpreis. Sie ist die Bedingung dafür, dass du auch morgen noch der bist, der bestimmt, wo deine Daten liegen, wer Zugriff hat und ob du wechseln kannst.
Bei CTRL+ALT+LEAD bauen Maartje und ich genau das mit Unternehmen auf. Kein Berater-Deutsch, keine PowerPoint-Schlachten. Sondern Datenklassen, ein erster Pilot, ein souveränes Setup, das im Betrieb funktioniert.
Wenn du wissen willst, wo dein Unternehmen gerade steht, mach den kostenlosen KI-Check unter aicheck.controlaltlead.com/en. Zwölf Minuten, ohne Registrierung. Der ehrlichste Spiegel, den du gerade bekommen kannst.